Crowdsourcing - Wir sind das Netz
Das Thema “Crowdsourcing” scheint derzeit in aller Munde zu sein. Exciting-Commerce-Autor Jochen Krisch hat Crowdsourcing sogar zu einer der drei Hauptthemen seines Blogs neben Social Commerce und Live Shopping adios cyberport24 ernannt. Seit kurzem gibt es gar die “erste Crowdsourcing Agentur Deutschlands”. Doch was ist Crowdsourcing eigentlich genau? Ist es ein neues Geschäftsmodell oder nur die Möglichkeit mit der Arbeit anderer, der Nutzer des Internetangebots, Geld zu verdienen. Hierzu habe ich mir erlaubt, mir einige Gedanken zu machen und zusammenzufassen, was andere denken in der großen weiten Netzwelt. Abschließend werde ich einige handverlesene Crowdsourcing-Angebote vorstellen.
Was ist Crowdsourcing?
Fängt man an, nach einer einigermaßen fundierten Definition von Crowdsourcing zu suchen und die Ursprünge des Begriffs zu ergründen, landet man immer wieder bei Mass Customization. Mass Customization, also Personalisierung von Produkten durch die Nutzer, war eines der Trendthemen 2006. Einer der großen Vorreiter hierzulande ist natürlich Spreadshirt, in den USA wäre hier Threadless zu nennen. Spreadshirt bietet seinen Nutzern an, individuelle T-Shirts zu entwerfen und anschließend zu ordern. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, einen eigenen Shop mit seinen entworfenen T-Shirts zu eröffnen und diese zu veräußern. Interessant hierbei ist, dass der Designer des Shirts, die Höhe der Provision bis maximal 15 € selbst festlegen kann. Der Prozess des Bedruckens des Shirts (je nach Anzahl der Farben, Textlänge etc), die Bereitstellung der Rohware (unbedruckte Kleidung) und die Auslieferung wird von Spreadshirt wahrgenommen. Der Preis für den Käufer setzt sich demnach aus Provision, Herstellungskosten von Spreadshirt und den Versandkosten zusammen.
Nun wissen wir zumindest, wie Mass Customization mit einer Provisionskompenente für den Designer eines Shirts funktioniert.
Eine hervorragende Einführung zum Thema Crowdsourcing gibt es bei Hannes Treichl. Zusammenfassend lässt sich Crowdsourcing demnach als Interaktive Wertschöpfung definieren:
Interaktive Wertschöpfung findet statt, wenn ein Unternehmen (oder eine andere Institution) eine Aufgabe, die bislang intern durch die Mitarbeiter erstellt wurde, an ein undefiniertes, großes Netzwerk von Kunden und Nutzern in Form eines offenen Aufrufs zur Mitwirkung vergibt.
Manager müssten jetzt eigentlich direkt ein feuchtes Höschen bekommen, wenn sie daran denken welche Möglichkeiten sich hierbei auftun: die kollektive Intelligenz zig-tausender Internetuser benutzen, um ein bestehendes Problem lösen zu lassen. Und das auch noch kostenlos! Doch gerade hier liegt der Hase begraben. Kostenlos wird die Masse allenfalls in bescheidenem Rahmen an solchen Angeboten teilnehmen und ihr Know-How bereitstellen. Beispielsweise bei Abstimmungen und Feedback über ein neues Layout, Logo, Produkte etc. Sobald es aber daran geht, Nutzer einen Kundenauftrag bearbeiten zu lassen, werden sich einige fragen, worin denn genau ihr Vorteil bestehen soll. Ruhm und Ehre derjenige, mit der besten Idee zu sein? Kann man auf Dauer vergessen. Revenue-Sharing lautet hierbei das Stichwort. Das heißt, die teilnehmenden Nutzer zu einem gewissen Maße am Umsatz beteiligen. Genau hier setzen momentan einige neue Angebote an. Zusätzlich versuchen die Anbieter, um ihr Angebot eine Community aufzubauen, die mit Leidenschaft mitarbeitet und nicht hauptsächlich aus monetären Interesse. Naturgemäß muss hierbei auf die gängigen Faktoren zum Aufbau einer Community wie totale Transparenz und offener Umgang mit Kritik geachtet werden. Den Interessen der Nutzer sollte höchste Priorität gewährt werden. Sobald es zum Anschein des Ausnutzens der kollektiven Intelligenz nur zum eigenen Vorteil des Anbieters kommt, dürfte es mit dem Höhepunkt der Crowdsourcing-Community vorüber sein.
Beispiele für Crowdsourcing-Angebote
Eines der neuesten Beispiele für Crowdsourcing im Netz ist das aus Frankreich stammende Angebot Wilogo, das dieser Tage seinen deutschen Ableger eröffnete. Idee hinter dem Projekt ist, dass registrierte Designer innerhalb der Community ein Logo für eine bestimmte Firma entwerfen. Das Unternehmen kann aus verschiedenen Angeboten wählen, die eine unterschiedliche Menge an mitarbeitenden Designern bzw. eine differierende Anzahl an entwickelten Logos beinhalten. Preislich ist von einem Angebot für Startups für 299 € bis zu einem Premium Angebot (hier entwickeln nur die Top-Designer) für 1.499 € ein breites Spektrum vorhanden. Die Designer werden anschließend je nach ausgewähltem Paket an den Einnahmen beteiligt. Bis jetzt befinden sich bei Wilogo knapp 200 Designer und fast 1800 Logo-Vorschläge. Das Layout der Seite ist einer Designcommunity allerdings unwürdig und eher abschreckend. Vielleicht sollten sie die Homepage der eigenen Community als Referenzobjekt zunächst neu entwerfen lassen. Auch die FAQs sind noch nicht komplett in deutsch verfasst, sondern schwanken je Absatz in verschieden Sprachen. Hier muss noch dringend nachgelegt werden.
Ein weiteres Beispiel ist die Moviebakery. Moviebakery lässt von seinen Nutzern virale Kampagnen entwickeln. Die auftraggebende Firma erhält für 10.000 € 10 verschiedene Videos zu ihrem Produkt bzw. zu ihrer Dienstleistung. Per Vorkasse werden 5.000 € fällig, anschließend wählt die Redaktion unter allen Vorschlägen die 10 besten aus. Die Produzenten der Videos erhalten den Fixbetrag von 500 € unabhängig von ihrem wirklichen Aufwand. Anschließend werden für den Auftraggeber weitere 5.000 € fällig und die Videos auf den gängigen Video-Plattformen eingestellt. Momentan sind Projekte für Swiss.com, Friendscout24 und Sparhandy.com ausgeschrieben. Fraglich sind bei diesem Angebot natürlich, welche Qualität ein Unternehmen von den Hobbyfilmern erwarten darf und ob wirklich 10 einigermaßen gelungene Filmchen für die bezahlte Summe produziert werden. Bedenklich erscheint mir auch, wie man in einer Zeit, in der täglich Zehntausende Videos auf Youtube und Konsorten eingestellt werden, auffallen will, um eine zumindest kurzfristige Bekanntheit der Spots zu erreichen, von Nachhaltigkeit ganz zu schweigen. Für manche Firmen mag dies allerdings auch ein interessanter Versuchsballon für virale Kampagnen sein.
Zukunft des Crowdsourcing
Wo wird uns das nun alles hinführen? Werden die Internetnutzer dazu erzogen zukünftig generell eine Entlohnung zu wollen für Aktivitäten, die sich im Umfeld von User Generated Content-Sphären abspielen? Was würde z.B. Mr. Wong unternehmen, wenn ihre Community am monetären Erfolg des Social Bookmarking-Portals teilhaben will? Schließlich sind es allein die User, die die Inhalte und damit die Vielfalt von Mr. Wong und Konsorten ausmachen. Ist es nicht vielmehr für Inhalte zuträglicher, wenn diese ohne monetäre Motivation erstellt werden, sondern aus Passion? Leidet Qualität nicht auf Dauer von monetären Antrieben? Wie könnte man ein ausgeklügeltes Modell schaffen, dass Umsatzbeteiligung und hochwertigen, ohne Hintergedanken produzierten Content gleichermaßen Beachtung schenkt? Fragen über Fragen, die es in Zukunft zu beantworten und zu untersuchen gilt.


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